Wie reagiert die Verpackungsindustrie auf die Anforderungen der Dual-Carbon-Strategie und der nachhaltigen Entwicklung?
💡 💡 Auf einen Blick
Die Dual-Carbon-Strategie der Verpackungsindustrie wird auf vier Ebenen umgesetzt: Compliance, CO₂-Bilanzierung, Materialsubstitution und Prozessoptimierung. Quantifizierbare Kennzahlen und Zertifizierungen sind dabei entscheidende Hebel.
Der Realitätsdruck der Verpackungsbranche unter den Dual-Carbon-Zielen
„Dual Carbon" ist eine 2020 in China vorgestellte nationale Strategie – Erreichen des CO₂-Peaks bis 2030 und CO₂-Neutralität bis 2060. Die Verpackungsbranche als vorgelagertes Glied der Fertigungsindustrie weist zwar keine höchste Emissionsintensität auf, deckt jedoch ein breites Spektrum ab, umfasst zahlreiche SKUs und wird vom Verbraucher unmittelbar wahrgenommen. Damit ist sie ein Bereich, der leicht unter bidirektionalem Druck von Politik und Markt geraten kann.
Für Unternehmen der Verpackungsdruckbranche ergibt sich der Realitätsdruck aus drei Aspekten: Erstens die regulatorische Seite mit der harten Beschränkung übermäßiger Verpackung durch GB 23350-2021; zweitens die Anforderungen der Kundenseite (Markenartikler) an Verpackungsdaten im Rahmen von ESG-Berichten und CO₂-Fußabdruck-Offenlegung; drittens die indirekte Übertragung durch die EU PPWR und den CO₂-Grenzausgleichsmechanismus CBAM auf Exportprodukte von der Marktseite.
Stufe eins: gesetzliche Mindestkonformität
Konformität ist die unterste Schwelle; Unternehmen müssen zunächst sicherstellen, dass sie nicht von Aufsichtsbehörden bestraft werden. Zu den relevanten Vorschriften für die Verpackungsindustrie gehören:
- GB 23350-2021 „Beschränkung übermäßiger Verpackung – Lebensmittel und Kosmetika": verbindliche Vorgaben zu Lagenanzahl, Hohlraumanteil und Anteil der Verpackungskosten.
- GB 4806.7 / 4806.8-Reihe: Sicherheitsstandards für Materialien in Kontakt mit Lebensmitteln.
- EU PPWR: Bis 2030 müssen alle Verpackungen recycelbar sein; für bestimmte Kategorien gelten Mindestanteile an recyceltem Kunststoff.
- EU CBAM: CO₂-Grenzausgleichsmechanismus, der auf bestimmte importierte Produkte eine CO₂-Abgabe erhebt; die CO₂-Emissionen von Verpackungen werden in der Berechnung berücksichtigt.
Über die reine Konformität hinaus nutzen führende Unternehmen „Überkonformität" bereits als Differenzierungsmerkmal – etwa indem sie bei einer von GB 23350 geforderten Lagenanzahl von ≤ 3 freiwillig ≤ 2 Lagen umsetzen und sich frühzeitig auf die PPWR-Ziele 2030 ausrichten.
Ebene 2: Berechnung des CO2-Fußabdrucks
Der CO2-Fußabdruck (Carbon Footprint) ist die grundlegende Datengrundlage, mit der Unternehmen auf die Zwei-Kohlenstoff-Ziele (Peak und Neutralität) reagieren. Die Berechnung in der Verpackungsindustrie orientiert sich vor allem an ISO 14067 (Produkt-CO2-Fußabdruck) und am GHG Protocol (Treibhausgas-Accounting-Standard).
Die Bilanzgrenzen umfassen in der Regel: Rohstoffgewinnung (Zellstoff, chemische Rohstoffe), Fertigungsprozesse (Strom und Brennstoffe für Druck, Stanzung und Kaschierung), Transport (Distribution der Fertigprodukte) sowie die End-of-Life-Behandlung (Recycling / Deponierung / Verbrennung). Ein vollständiger CO2-Fußabdruckbericht für eine Verpackungsschachtel listet die CO2e-Emissionen jeder Stufe auf und gibt die Datenquellen an (Eigenmessungen, Ecoinvent-Datenbank, branchenübliche Mittelwerte).
Großkunden (Markenartikler aus den Bereichen Lebensmittel, Kosmetik und Elektronik) benötigen für ihre Scope-3-Emissionsberichterstattung einen PCF-Bericht (Product Carbon Footprint) von ihren Verpackungslieferanten. Verpackungsunternehmen, die diese Daten nicht vorlegen können, werden nach und nach aus der Liste der qualifizierten Lieferanten ausgeschlossen.
Stufe drei: Materialsubstitution
Die Materialsubstitution ist der direkteste Ansatz zur Reduzierung von Verpackungsemissionen. Drei Richtungen sind besonders beachtenswert:
- Verwendung recycelter Materialien: Recyceltes Papier, recyceltes PE und recyceltes PET können unter Beibehaltung der mechanischen Eigenschaften die CO2-Emissionen in der Rohstoffphase um 30–50 % reduzieren. FSC- und PEFC-zertifiziertes Papier sind international anerkannte Lösungen.
- Monomaterial-Konzept: Die Umstellung von Papier-Kunststoff-Aluminium-Verbundstrukturen auf Monomaterialien wie reines PE oder reines PP erleichtert nicht nur das Recycling, sondern weist in der Regel auch geringere CO2-Emissionen als Verbundstrukturen auf.
- Biologisch abbaubare Materialien: Biobasierte Kunststoffe wie PLA und PHA verursachen in der Rohstoffphase geringere CO2-Emissionen als erdölbasierte Kunststoffe. Allerdings müssen die jeweiligen LCA-Daten herangezogen werden; eine pauschale Bewertung ist nicht möglich.
Der Schlüssel zur Materialsubstitution ist die „äquivalente Substitution“ – es darf keine herabgestufte Lösung als Ersatz verwendet werden. Wird beispielsweise eine 350 g weiße Kartonage durch eine 250 g weiße Kartonage ersetzt, sinkt die Stabilität der Schachtel, was zu höheren Transportschäden führt. Die CO2-Emissionen über den gesamten Lebenszyklus können dadurch sogar steigen.
Stufe vier: Optimierung der Produktionsprozesse
Die Emissionsminderungspotenziale durch Prozessoptimierung werden häufig unterschätzt. Gängige Maßnahmen sind:
- Digitaldruck ersetzt teilweise den traditionellen Offsetdruck: Wegfall des Plattenherstellungsprozesses, weniger Chemikalien und Abfälle.
- Wasserbasierte Druckfarben ersetzen lösemittelbasierte Druckfarben: Sinkende VOC-Emissionen, geringerer Energieverbrauch bei der Abluftbehandlung.
- Lösemittelrückgewinnungssysteme: Einführung von Rückgewinnungsanlagen in Kaschier- und Beschichtungsprozessen, mit einer Recyclingquote von bis zu 70–80 %.
- Intelligente Nutzenoptimierung und Stanzoptimierung: Mithilfe von KI-gestützten Nutzenoptimierungsalgorithmen wird der Papierverschnitt von 15 % auf unter 8 % reduziert, wodurch der Energieverbrauch pro Bogen sinkt.
- Zentrale Farb- und Druckluftversorgungssysteme: Im Vergleich zu Einzelplatzkonfigurationen sinkt der Energieverbrauch um 20–30 %.
LeXiang Packaging ist mit HP Indigo Digitaldruckmaschinen und Großformat-Drucksystemen von Kodak ausgestattet und unterstützt die kundenspezifische Produktion kleiner Losgrößen und vielfältiger Sortimente, wodurch der Materialverbrauch in der Plattenherstellung und im Bemusterungsstadium von Anfang an reduziert wird.
Quantifizierbare Hebel zur Emissionsreduzierung
Für Unternehmen müssen die Hebel zur Emissionsreduzierung quantifizierbar, rückverfolgbar und in den ESG-Bericht aufnehmbar sein. Gängige quantitative Kennzahlen sind:
- Verpackungsgewicht pro Produkteinheit (g/Stück) und dessen jährlich sinkender Anteil.
- Anteil recycelter Materialien am Gesamtmaterialeinsatz.
- Anteil von Druckfarben auf Wasserbasis an der gesamten Druckfarbenmenge.
- Anteil der Substitution von PE-Laminierung durch Wasserlackierung/bioabbaubare Beschichtung.
- Papierverlustquote (Nutzungsplanungsverluste/Gesamtpapierverbrauch).
- Energieverbrauch pro Produktionseinheit (kWh/10.000 Yuan Produktionswert).
Diese Kennzahlen dienen nicht nur dem internen Management, sondern sind auch das harte Zahlungsmittel für die Scope-3-Berichterstattung an Großkunden, die Beantragung einer Green-Factory-Zertifizierung und die Teilnahme an Brancheninitiativen zur Kohlenstoffneutralität.
Zertifizierungspfade
Das Nachhaltigkeitszertifizierungssystem für Verpackungsunternehmen umfasst, nach Hierarchie von niedrig nach hoch, folgende Stufen:
- ISO 9001 Qualitätsmanagementsystem: grundlegende Eintrittsschwelle.
- ISO 14001 Umweltmanagementsystem: Rahmenwerk für das Umweltmanagement.
- ISO 14064 / 14067: Treibhausgasbilanzierung und Product Carbon Footprint.
- FSC / PEFC Zertifizierung: nachhaltige Rohstoffherkunft.
- Bewertung als Grüne Fabrik: vom Industrieministerium geführt, abdeckt Dimensionen wie Energie, Chemikalien und Kohlenstoffemissionen.
- CO2-Neutralitäts-Zertifizierung (PAS 2060 / ISO 14068-1): Erreichen von Netto-Null durch Kompensation oder Reduktion.
Für kleine und mittelständische Verpackungsunternehmen empfiehlt es sich, zunächst ISO 14001 und ISO 14064 als Basis aufzubauen und sich anschließend schrittweise zu ISO 14067 und der CO2-Neutralitäts-Zertifizierung weiterzuentwickeln. Zertifizierung ist keine einmalige Investition, sondern ein Hebel für kontinuierliche Verbesserung.
Umsetzungsempfehlungen
Für Unternehmen muss die Reaktion auf die Zwei-Kohlenstoff-Ziele nicht in einem Schritt erfolgen. Es wird empfohlen, zunächst drei Maßnahmen umzusetzen: Erstens, eine Auditierung der Verpackungsmaterialien durchführen, um die aktuelle CO2-Emissionsbasis zu quantifizieren; zweitens, 3–5 Hebel zur Emissionsreduktion identifizieren und in den jährlichen Verbesserungsplan aufnehmen; drittens, sich mit den ESG-Berichtspflichten der Schlüsselkunden abstimmen, um die Bereitstellung der Daten sicherzustellen.
LeXiang Packaging kann im Digitaldruck, bei Monomaterial-Lösungen sowie bei Kleinserien-Sonderanfertigungen den Materialverbrauch in der Bemusterungs- und Serienproduktionsphase unmittelbar senken und stellt somit eine praktische Stütze im Zwei-Kohlenstoff-Pfad eines Unternehmens dar.
Häufige Fragen
Muss die Verpackungsindustrie auch eine CO2-Bilanzierung durchführen?
Intern ist sie nicht unbedingt verpflichtend, aber bei der Scope-3-Berichterstattung für Großkunden (Lebensmittel, Kosmetik, Elektronikmarken) ist sie ein Pflichtfeld. Beim Export in die EU ist zudem der CBAM-CO2-Zoll betroffen, und die CO2-Emissionen von Verpackungen fallen in den Bilanzierungsbereich.
Sind recycelte Materialien immer umweltfreundlicher als Neuware?
In den meisten Szenarien ja, aber es kommt auf die konkreten LCA-Daten an. Die CO2-Emissionen von Recyclingpapier liegen 30–50 % unter denen von Frischfaserpapier, doch die Recyclingverluste und der Energieverbrauch bei Kunststoffen verringern den Abstand. Bei der Angabe von „recycelt“ sollten konkrete Anteile und Zertifizierungen genannt werden.
Was ist der Unterschied zwischen ISO 14067 und ISO 14064?
ISO 14064 ist die Treibhausgasbilanzierung auf Organisationsebene (Scope 1/2/3), ISO 14067 ist der Product Carbon Footprint (PCF) auf Produktebene. Verpackungsunternehmen benötigen in der Regel beide: die Organisationsebene für die Berichterstattung an Aufsichtsbehörden/Kunden, die Produktebene für Endmarken.
Lohnt sich für kleine und mittelständische Verpackungsunternehmen eine Doppelklima-Zertifizierung?
Empfehlenswert ist zunächst ISO 14001 + ISO 14064 als Basis; eine Klimaneutralität muss nicht sofort erreicht werden. Bei der Zusammenarbeit mit führenden Kunden sind PCF-Daten und Zertifizierungen jedoch bereits zur Eintrittsschwelle geworden.
Können wasserbasierende Druckfarben wirklich CO2 einsparen?
Wasserbasierende Druckfarben reduzieren die VOC-Emissionen im Druck erheblich, senken den Energieverbrauch der Abluftbehandlung und haben insgesamt niedrigere CO2-Emissionen als lösemittelbasierte Druckfarben. Allerdings sind Bedruckbarkeit und Farbraum etwas geringer, sodass prozessseitige Anpassungen in der Produktion erforderlich sind.
Welchen Zusammenhang gibt es zwischen PPWR und CBAM?
Die PPWR ist die EU-Verpackungssonderverordnung und verlangt, dass bis 2030 alle Verpackungen recycelbar sind. Der CBAM ist der CO2-Grenzausgleichsmechanismus und belastet bestimmte Importprodukte mit einem CO2-Zoll, einschließlich Verpackungen. Beide Regelwerke treiben gemeinsam die grünen Handelshemmnisse der EU voran.
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