Verpackungsumweltfreundlichkeit

Wie wird der CO₂-Fußabdruck einer Verpackung berechnet? Praxisnahe Berechnung für 3 Verpackungstypen nach ISO 14067

📅 2026-09-04 ✍️ Wuxi Lexiang Printing & Packaging ⏱ 12Min. Lesezeit

💡 💡 Auf einen Blick

ISO 14067 lässt sich nicht durch bloßes Lesen des Normtexts umsetzen – es erfordert Emissionsfaktordatenbanken, die Festlegung der Berechnungsgrenzen sowie eine unabhängige Drittstellenprüfung. Dieser Artikel erläutert anhand praktischer Berechnungsbeispiele für drei unterschiedliche Verpackungsarten (Geschenkbox / Etikett / Wellpappkarton) das schnelle Auffinden der Emissionsfaktoren, die Berechnungsgrenzen und den Ablauf der Drittstellenprüfung für jede Verpackungsart.

Im letzten Dezember wurde unser Team von einer Hardware-Marke aus Shenzhen kontaktiert. Sie schickte uns eine PDF-Datei mit den „Anforderungen an die Nachhaltigkeit der Lieferanten 2026" der europäischen Zentrale der Marke – ein 3-seitiges Dokument, das alle Lieferanten auffordert, einen Product Carbon Footprint-Bericht (PCF) gemäß ISO 14067 vorzulegen.

Sie fragte uns: „Können Sie den CO₂-Fußabdruck der Verpackung berechnen?"

Ich sagte: „Das können wir, aber die Frage betrifft nicht nur die Verpackung selbst – es geht um die gesamten CO₂-Emissionen des Produkts. Die Verpackung ist nur ein Teil davon; es kommt darauf an, wie Sie die Systemgrenzen festlegen wollen."

Dieser Vorfall hat mir deutlich gemacht: Beim Thema CO₂-Fußabdruck denken 90 % der Fabriken, es sei „ein standardisierter Text", aber tatsächlich handelt es sich um einen praktischen Arbeitsprozess – wie man die Systemgrenzen zieht, woher man die Emissionsfaktoren bezieht, wie eine externe Verifizierung durchgeführt wird, wie der Bericht erstellt wird und wie der Kunde ihn anerkennt.

In diesem Artikel wird anhand von drei Praxisbeispielen für unterschiedliche Verpackungsarten (Geschenkbox / Etikett / Wellpappkarton) der gesamte Prozess Schritt für Schritt erläutert.

Schritt 1: Klärung der Berechnungsgrenze – eine von drei Abgrenzungen wählen

ISO 14067 erlaubt drei Berechnungsgrenzen (Systemgrenze system boundary):

Grenze 1: Cradle-to-Gate (von der Wiege bis zum Werkstor) – von der Rohstoffgewinnung bis zum Produktausgang, ohne Transport/Nutzung/Verwertung.

Grenze 2: Cradle-to-Customer (von der Wiege bis zum Kunden) – Grenze 1 zuzüglich Ausgangstransport zum Kundenlager.

Grenze 3: Cradle-to-Grave (von der Wiege bis zur Bahre) – Grenze 2 zuzüglich Kundennutzung/Verwertung/Entsorgung.

In den PCF-Berichten, die das LeXiang-Werk in den Jahren 2024–2025 erstellt hat, wurden 90 % mit Grenze 1 berechnet. Grund: Grenze 1 ist der Bereich, den der Verpackungshersteller beeinflussen kann; Grenze 2/3 beinhalten Logistikdaten, Nutzungsgewohnheiten der Kunden und Verwertungssysteme, auf die das Werk keinen Zugriff hat.

Auch der Hardware-Kunde aus Shenzhen entschied sich letztlich für Grenze 1 – sie sagte: „Die Markenartikler wollen die Emissionen aus dem Verpackungsproduktionsabschnitt, nicht die der gesamten Produktkette."

Schritt 2: Verpackung in 5 Emissionsquellen unterteilen

Unabhängig von der Art der Verpackung stammen die CO2-Emissionen aus 5 Emissionsquellen:

  • Rohstoffe – Papier, Druckfarbe, Klebstoff, Kaschierung usw. Sie machen 60–80 % der Emissionen aus.
  • Druck – Energieverbrauch beim Drucken (Strom), Verdunstung von Druckfarbe.
  • Oberflächenveredelung – Energieverbrauch beim Heißprägen, UV, Kaschieren und Prägen.
  • Stanzen und Kleben – Stromverbrauch von Stanz- und Klebemaschinen.
  • Abfallbehandlung – Produktionsabfälle, leere Tintenpatronen, verbrauchte UV-Lampen.

Im dritten Schritt wird für jede Emissionsquelle der „Emissionsfaktor“ ermittelt – also die CO2-Äquivalente pro Aktivitätseinheit (kg CO2e).

Schritt 3: Reale Zahlen für drei Verpackungsarten

Nachfolgend die tatsächlichen Berechnungsergebnisse für drei Verpackungsarten, die LeXiang 2024 durchgeführt hat (anonymisiert, aber die anteilmäßige Struktur bleibt erhalten):

Kategorie A: Geschenkbox (500 g Graupappe mit gestrichener Kunstdruckpapier-Beschichtung + partieller UV-Lackierung + Heißfolienprägung + Magnetverschluss)

  • Rohstoffe (500 g Pappe + Druckfarbe + UV + Heißfolie + Klebstoff) — 0,62 kg CO2e
  • Druck (Offsetdruck + UV-Härtung) — 0,08 kg CO2e
  • Oflächenveredelung (Heißfolienprägung + UV) — 0,04 kg CO2e
  • Stanzen und Kleben der Schachtel — 0,03 kg CO2e
  • Abfallentsorgung — 0,02 kg CO2e
  • Gesamt: 0,77 kg CO2e / Stück

Kategorie B: Etikett (PET-Haftmaterial + Digitaldruck + partieller UV-Lack)

  • Rohstoffe (PET-Substrat + Druckfarbe + UV) — 0,12 kg CO2e
  • Druck (Digitaldruck + UV-Härtung) — 0,04 kg CO2e
  • Oflächenveredelung (UV) — 0,01 kg CO2e
  • Stanzen — 0,01 kg CO2e
  • Abfallentsorgung — 0,01 kg CO2e
  • Gesamt: 0,19 kg CO2e / Stück

Kategorie C: Wellpappen-Karton (B-Welle, 5-lagiger Wellpappenkarton, 800 g)

  • Rohstoffe (Wellpappenrohpapier + Deckenpapier) — 0,55 kg CO2e
  • Druck (Wasserbasierter Flexodruck) — 0,04 kg CO2e
  • Stanzen und Kleben des Kartons — 0,02 kg CO2e
  • Abfallentsorgung — 0,02 kg CO2e
  • Gesamt: 0,63 kg CO2e / Stück

Im Vergleich liegen die spezifischen CO2-Emissionen von Geschenkbox (0,77 kg) und Wellpappenkarton (0,63 kg) nahe beieinander, der Hauptanteil entfällt auf die Rohstoffe; das Etikett (0,19 kg) ist am niedrigsten, da es sehr leicht ist.

Schritt 4: Wo findet man Emissionsfaktoren? – 4 Datenbanken

Die „Rohstoff-Emissionsfaktoren“ für die CO₂-Fußabdruckberechnung sind Schlüsselparameter. LeXiang-Werke verwenden häufig 4 Datenbanken:

Datenbank 1: Chinesische lokale CLCD-Datenbank

Joint Venture zwischen der Sichuan-Universität und IKE Environmental, deckt gängige chinesische Industriematerialien ab. Vorteil: lokale Daten, hohe Anpassungsfähigkeit. Nachteil: für einige neue Materialien sind keine Daten vorhanden.

Datenbank 2: Ecoinvent (Schweiz)

Die weltweit renommierteste Datenbank mit über 18.000 Emissionsfaktoren. Vorteil: umfassend. Nachteil: überwiegend europäische und US-Daten, einige chinesische Materialien fehlen.

Datenbank 3: DEFRA (britische DEFRA-Datenbank)

Die offizielle, von der britischen Regierung veröffentlichte Datenbank, die in der Verpackungsindustrie häufig verwendet wird.

Datenbank 4: Branchen-EPD (Environmental Product Declaration)

PCR-Berichte (Product Category Rules) mit Branchendurchschnittswerten. Vorteil: hohe Vergleichbarkeit. Nachteil: geringe Granularität.

LeXiang-Vorgehensweise: CLCD hat Vorrang (Lokalisierung), Ecoinvent als Rückfalloption (bei besonders neuen Materialien).

Schritt 5: Überprüfung durch Dritte – 2 Möglichkeiten

Die Markenseite verlangt in der Regel einen Prüfbericht durch Dritte. Es gibt zwei Möglichkeiten der Überprüfung durch Dritte:

Möglichkeit 1: Vor-Ort-Prüfung durch Drittorganisationen

Organisationen wie SGS, TÜV oder Intertek entsenden Personal in die Fabrik, um die Echtheit der Daten zu prüfen und einen Prüfbericht auszustellen. Die Kosten betragen 1,5–3 Mio. pro Produktkategorie, die Dauer 2–4 Wochen.

Möglichkeit 2: Desktop-Prüfung durch Dritte (Desktop Review)

Die Organisation prüft nur Dokumente und Datentabellen und entsendet kein Personal vor Ort. Die Kosten betragen 8000–1,5 Mio. pro Produktkategorie, die Dauer 1 Woche. Jenes Hardware-Kunden aus Shenzhen hat diese Variante gewählt.

Handelt es sich bei der Markenseite um einen großen europäischen Kunden (z. B. Apple, L'Oréal), wird in der Regel Möglichkeit 1 verlangt; bei normalen E-Commerce-Händlern reicht Möglichkeit 2 aus.

5 Dinge, die Sie nicht tun sollten

Nachdem die positiven Aspekte erläutert wurden, abschließend 5 Punkte, die Sie „nicht tun sollten":

Verwenden Sie keine Durchschnittswerte anstelle einer Berechnung. Die Emissionsunterschiede zwischen verschiedenen Materialien bei derselben Verpackungsart betragen das 2- bis 3-fache – Durchschnittswerte sind als Referenz wertlos.

Verwechseln Sie nicht den „CO2-Fußabdruck" mit der „CO2-Neutralität". Der CO2-Fußabdruck ist eine Bilanzierung, CO2-Neutralität ist eine Kompensation.

Vernachlässigen Sie nicht die Festlegung der Systemgrenzen. Wird dieselbe Verpackung nach Systemgrenze 1 und Systemgrenze 3 berechnet, können die Zahlen um das 5- bis 10-fache voneinander abweichen.

Berechnen Sie nicht einmal und aktualisieren Sie die Daten dann nie wieder. Lieferantenwechsel, Änderungen der Strompreise und Anpassungen bei den Rohstoffverfahren erfordern eine Aktualisierung der Emissionsfaktoren.

Lassen Sie die Daten nicht in der Fabrik liegen. Sorgen Sie dafür, dass die Markeninhaber die PCF-Werte auf der Produktseite und auf der Verpackung von LeXiang Packaging abdrucken – dies ist der für den Verbraucher sichtbare „Vertrauensanker".

Der CO2-Fußabdruck ist kein „Umweltlabel" – er ist eine datengestützte Entscheidungsgrundlage für die Emissionsreduktion. Nach einer einzigen Berechnung werden Sie feststellen: 90 % der Emissionen stammen aus den Rohstoffen, durch Verfahrensoptimierung lassen sich weniger als 10 % einsparen. Was die Emissionen wirklich reduziert, ist die Materialauswahl, nicht die Verfahrensverbesserung.

Weiterführende Lektüre

#Wie wird der CO2-Fußabdruck einer Verpackung berechnet? ISO

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen CO2-Fußabdruck und CO2-Label?

Der CO2-Fußabdruck (Carbon Footprint) ist die nach ISO 14067 berechnete Gesamtmenge an CO2-Emissionen über den gesamten Produktlebenszyklus; das CO2-Label (Carbon Label) ist ein auf dem CO2-Fußabdruck basierendes ‚sichtbares CO2-Emissionslabel‘ auf der Produktverpackung. Ersteres sind Daten, Letzteres ist eine Datenvisualisierung.

Sollte für Kleinserienaufträge ein CO2-Fußabdruckbericht erstellt werden?

Das hängt von den Kundenanforderungen ab. Bei großen europäischen Markenkunden (Apple, L'Oréal, Unilever usw.) ist dies in der Regel verpflichtend; bei gewöhnlichen E-Commerce-Händlern können branchenübliche Durchschnitts-EPD-Daten als Ersatz verwendet werden. Es wird jedoch empfohlen, mindestens eine Selbstbewertung durchzuführen, um das CO2-Emissionsniveau der eigenen Verpackung abzuschätzen.

Wie hoch sind die Kosten für eine Drittstellenprüfung?

Vor-Ort-Prüfung (SGS/TÜV/Intertek): 15.000–30.000 pro Produktkategorie, 2–4 Wochen. Desktop-Prüfung: 8.000–15.000 pro Produktkategorie, 1 Woche. Bei unterschiedlichen Modellen derselben Kategorie ist ein Mengenrabatt von 20 % möglich.

Wo finde ich Emissionsfaktoren?

Vier häufig verwendete Datenbanken: China CLCD-Datenbank (lokale Priorität), Ecoinvent (weltweit umfassendste), DEFRA (britische Behördenversion), Branchen-EPD (Durchschnittswerte gemäß Produktkategorieregeln). Vorgehensweise im LeXiang-Werk: CLCD hat Priorität, Ecoinvent als Rückfalloption.

Reicht es, nur das Material und nicht die Verfahren zu berechnen?

Nein. ISO 14067 verlangt eine Lebenszyklusbilanz, das Material ist nur ein Teil davon. Für Verpackungen machen die Emissionen der Rohstoffe 60–80 % aus und sind der wichtigste Bilanzposten; der Prozessenergieverbrauch 10–20 %; die Abfallbehandlung 5–10 %.

Was ist der Unterschied zwischen CO2-Fußabdruck und CO2-Neutralität?

Der CO2-Fußabdruck ist eine Bilanzierung (Gesamtmenge der CO2-Emissionen); CO2-Neutralität ist ein Ausgleich (Kompensation der Emissionen durch Aufforstung, CO2-Handel usw.). Ersteres ist ‚Messen‘, Letzteres ‚Kompensieren‘. Erst den Fußabdruck berechnen, dann über Neutralität sprechen.

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